 |
 |
Forstindustrie und Umweltgruppen in Kanada schließen weltweit größtes Waldschutzabkommen
Toronto/Montral - 18. Mai 2010 – 21 Mitgliedsunternehmen des Verbandes der kanadischen Forstindustrie FPAC (Forest Products Association of Canada) und neun führende Umweltorganisationen haben heute ein in seiner Größe einzigartiges Schutzabkommen für 72 Millionen Hektar Wald in der sogenannten borealen Forstzone Kanadas bekanntgegeben. Das Abkommen wird nach seinem Inkrafttreten für wichtige Gebiete des borealen Waldgürtels in Kanada gelten und den Schutz des gefährdeten Wald-Karibus, der nordamerikanischen Variante des europäischen Rentiers, sicherstellen. Die borealen Wälder bilden einen erdumspannenden Gürtel auf der Nordhalbkugel der Erde. Sie liegen in Skandinavien, Nordwestrussland, Sibirien, Mongolei und Nordamerika.
Die Forstunternehmen, die zwei Drittel aller zertifizierten Forstflächen in Kanada bewirtschaften, verpflichten sich in dem Abkommen zur Einhaltung höchster ökologischer Standards auf einer Fläche von 720.000 km2, der doppelten Größe Deutschlands. Die Umweltgruppen wollen sich im Gegenzug für eine internationale Anerkennung des Prozesses einsetzen und die Forstindustrie bei ihren Bemühungen unterstützen. Gleichzeitig werden unter dem Abkommen 29 Millionen Hektar komplett vor weiteren Holzeinschlägen geschützt und Rettungspläne für das gefährdete Wald-Karibu aufgestellt. Die Holzversorgung für derzeit produzierende Unternehmen soll im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft weiter sichergestellt werden. Die Umweltschutzorganisationen Canopy, ForestEthics und Greenpeace verzichten im Gegenzug auf die Fortführung ihrer „Do not buy“-Kampagne gegen Holz- und Papierprodukte aus dem Holz der borealen Wälder.
„Die Bedeutung dieses Abkommens kann gar nicht hoch eingeschätzt werden“ erklärte Avrim Lazar, Präsident der FPAC. „Die FPAC-Mitgliedsunternehmen und ihre Gesprächspartner in den Umweltorganisationen haben es geschafft einen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Wir haben zusammen einen intelligenteren und produktiveren Weg gefunden, um die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen im borealen Wald zu meistern. Für die Käufer unserer Produkte in der ganzen Welt ist dies ein glaubhaftes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Es ist beeindruckend zu sehen, wie der fast eine Dekade währende Transformationsprozess unserer Industrie und der Wandel zu mehr ökologischer Verantwortung in einem Abkommen gipfelt, um das uns die Welt beneidet.“
Aus Sicht der Umweltgruppen, darunter auch die drei Organisationen, die in erheblichem Umfang Verbraucher mobilisiert hatten, steht das Abkommen für eine neue Qualität im Umgang zweier bislang oftmals gegeneinander arbeitenden Interessengruppen. „Das Abkommen eröffnet uns große Chancen, das Wald-Karibu und große Teile des borealen Waldes zu schützen und nachhaltige Forstwirtschaft zu etablieren“, erklärte Richard Brooks, Sprecher der beteiligten Umweltgruppen und Koordinator für Forstfragen bei Greenpeace Kanada. „Die Sorgen der Öffentlichkeit und der Marktteilnehmer um Naturschutz und Artenvielfalt waren wichtige Triebfedern für dieses Abkommen. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, es mit Leben zu erfüllen und wir sind entschlossen, dies zu erreichen.“
Einen wichtigen Einfluss auf das Zustandekommen des Abkommens hatten auch die Umweltorganisation PEW und die Richard Ivey Stiftung, die sich darum bemüht hatten, alle Verhandlungspartner an einen Tisch zu bekommen. „Wir haben uns über Jahre bemüht, die Opponenten an einen Tisch zu bekommen, um den borealen Wald Kanadas als globales Erbe, zu schützen“, sagte Steve Kallick, Direktor der borealen Schutzkampagne von PEW. „Wir sind begeistert, dass diese Anstrengungen zum bislang weltweit größten Schutzabkommen in der Geschichte geführt haben. Das hätte nicht funktioniert, wenn nicht beide Seiten über ihren Schatten gesprungen wären. Maßstab für unseren Erfolg ist aber nicht das heutige Abkommen, sondern wie wir es in der Praxis umsetzen.” Das Boreal Forest Abkommen beinhaltet für jede Seite ausdrückliche Verpflichtungen. Dazu zählen:
- Die Entwicklung und Umsetzung weltweit führender Methoden der Forstwirtschaft und der Holzernte
- Die Erarbeitung gemeinsamer Vorschläge für ein Netzwerk von Schutzgebieten und die Stärkung bedrohter Tierarten wie das Wald-Karibu
- Eine Betrachtung der CO2-Bilanz von Forstprodukten über ihren gesamten Lebenszyklus
- Die Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung der von der Forstwirtschaft abhängigen Kommunen sowie die Förderung der Anerkennung der erreichten Schutzziele auf dem Weltmarkt.
Die beteiligten Umweltgruppen sowie die FPAC und ihre Mitglieder haben bereits damit begonnen, die Provinzregierung, die kanadischen Ureinwohner (First Nations) und die betroffenen Kommunen für die Umsetzung des Abkommens zu gewinnen. Das Abkommen betont ausdrücklich die Anerkennung der von der Verfassung geschützten Rechte der First Nations, die bei der Umsetzung des Abkommens berücksichtigt werden müssen. Die Fortschritte bei der Umsetzung des Boreal Forest Abkommens werden regelmäßig von einem unabhängigen Auditor überprüft.
Beteiligte Forstunternehmen: AbitibiBowater, Alberta Pacific Forest Industries, AV Group, Canfor, Cariboo Pulp & Paper Company, Cascades Inc., DMI, F.F. Soucy, Inc., Howe Sound Pulp and Paper, Kruger Inc., LP Canada, Mercer International, Mill & Timber Products Ltd, NewPage Port Hawkesbury Ltd, Papier Masson Ltée, SFK Pulp, Tembec Inc., Tolko Industries, West Fraser Timber Co. Ltd, Weyerhauser Compnay Limited−all represented by the Forest Products Association of Canada. Beteiligte Umweltorganisationen: Canadian Boreal Initiative, Canadian Parks and Wilderness Society, Canopy (formerly Markets Initiative), the David Suzuki Foundation, ForestEthics, Greenpeace, Ivey Foundation, The Nature Conservancy, and the Pew Environment Group’s International Boreal Conservation Campaign.
|